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Wenn Betriebliches Mentoring auf die akademische Welt trifft

Betriebliches Mentoring gewinnt auch an Universitäten und Fachhochschulen zunehmend an Bedeutung. Der vorliegende Beitrag zeigt, wie die Rollenvielfalt von Coach, Berater und Trainer die akademische Weiterbildung bereichert, Lernprozesse vertieft und zwischen allen Beteiligten wirksame Brücken baut. Am Beispiel des CAS «Academic Leadership – Führen an Hochschulen» der Universität Bern wird deutlich, wie sich betriebliche Mentoring-Ansätze konkret in der Hochschulentwicklung verankern lassen.

Vom betrieblichen Kontext in die akademische Weiterbildung

Betriebliches Mentoring wird häufig primär mit der Begleitung von Führungskräften in Unternehmen sowie mit organisationalen Veränderungsprozessen assoziiert. Das Berufsbild umfasst die prozessorientierte Begleitung von Menschen in Lern-, Entwicklungs- und Veränderungssituationen und stärkt dabei Reflexion, Handlungskompetenz und Eigenverantwortung. Diese Fähigkeiten gewinnen auch im akademischen Kontext zunehmend an Relevanz. Universitäten stehen heute vor der Herausforderung, nicht nur fachliches Wissen zu vermitteln, sondern Entwicklungsräume zu gestalten, in denen Haltung, Selbstführung und professionelle Identitätsbildung bewusst gefördert werden.

Leadership lernen heisst: reflektieren, anwenden, wachsen

Andreas Michel, selbst Träger des Fachausweises, arbeitet als Leiter Personalentwicklung und -gewinnung sowie als Co-Studienleiter in der Weiterbildung der Universität Bern. Er bestätigt, dass die situationsgerechte Verbindung von Coaching, Beratung und Training besonders dort wertvoll ist, wo akademische Weiterbildung auf berufliche Realität trifft. Diese Überlegungen sind in die Konzeption und Entwicklung des CAS «Academic Leadership – Führen an Hochschulen» wesentlich eingeflossen. Der Studiengang verbindet wissenschaftlich fundierte Leadership-Konzepte mit reflexiven Lernsettings und der Bearbeitung eigener Führungssituationen aus dem Berufsalltag. Daraus entsteht ein didaktisches Design, das drei Ebenen systematisch miteinander verknüpft: theoretisches Wissen, individuelle Reflexion und praktische Anwendung.

Im Sinne des betrieblichen Mentorings wird ein besonderer Fokus auf Reflexion gelegt. Die Teilnehmenden setzen sich kontinuierlich mit ihrer eigenen Führungsrolle auseinander, hinterfragen Handlungsroutinen und entwickeln ein vertieftes Verständnis für ihr Führungsverhalten. Ergänzt wird dieser Prozess durch ein integriertes Führungscoaching, das als bewusstes Gestaltungselement im CAS verankert ist. Es begleitet die individuelle Entwicklung und unterstützt die Übertragung in die Praxis.

Führungskultur bewusst entwickeln

Ein zweiter zentraler Aspekt des CAS ist die gezielte Arbeit an Führungskultur. Führung wird nicht primär als technische Kompetenz verstanden, sondern als Ausdruck von Haltung, Werten und Beziehungsgestaltung. Andreas Michel bringt hier seine Erfahrung aus der Personalentwicklung und dem betrieblichen Mentoring gezielt ein. Führung wird als Entwicklungsprozess verstanden, der nicht nur individuelles Verhalten betrifft, sondern auch kulturelle Muster innerhalb einer Organisation sichtbar macht und verändert. Ziel ist es, Führung nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines organisationalen und kulturellen Kontextes zu verstehen und bewusst weiterzuentwickeln.

Ein zentrales Gestaltungselement des CAS ist die bewusste Zusammensetzung der Teilnehmenden. Führungspersonen aus unterschiedlichen Hierarchiestufen sowie aus verschiedenen Bereichen – Lehre und Forschung, Verwaltung und dem sogenannten Third Space – lernen gemeinsam. Diese Durchmischung ist im akademischen Umfeld nicht selbstverständlich, eröffnet jedoch einen entscheidenden Mehrwert: Führung wird nicht innerhalb homogener Gruppen reflektiert, sondern im Spannungsfeld unterschiedlicher Perspektiven, Rollen und institutioneller Logiken konsequent systemisch und zirkulär gedacht und gelebt. Andreas Michel ist überzeugt, dass der Studiengang einen strukturierten Rahmen schafft, in dem diese Perspektiven sichtbar gemacht, miteinander in Beziehung gesetzt und für die eigene Führungspraxis nutzbar gemacht werden.

Betriebliches Mentoring als Brücke im Hochschulumfeld

Der CAS «Academic Leadership – Führen an Hochschulen» zeigt exemplarisch, wie betriebliches Mentoring im akademischen Kontext konkret umgesetzt werden kann. Andreas Michel hat als Co-Studienleiter und Mitgestalter des Programms insbesondere die Integration von Coaching, Reflexion und praxisnaher Führungsentwicklung geprägt. Damit leistet der Studiengang einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Führungskultur im Hochschulumfeld – nicht als isolierte Kompetenzentwicklung, sondern als gemeinsame, dialogorientierte Praxis über institutionelle Grenzen hinweg.

Bild von Andreas Michel

Andreas Michel

Andreas Michel ist seit 2021 Träger des eidgenössischen Fachausweises als betrieblicher Mentor und verfügt über einen CAS in Coaching. In seiner Rolle als Leiter Personalentwicklung und -gewinnung an der Universität Bern verantwortet er die Konzeption und Umsetzung der Führungsausbildung. Er hat den CAS «Academic Leadership – Führen an Hochschulen» massgeblich mitentwickelt und ist seit 2022 Co-Studienleiter. Der CAS bildet das Kernstück seines Wirkens: Er verbindet handlungsorientiertes Lernen mit individueller Begleitung und integriert bewusst ein persönliches Führungscoaching, das die Reflexion der eigenen Führungsrolle sowie die strukturierte Bearbeitung konkreter Führungssituationen ermöglicht. Als Dozent und betrieblicher Mentor engagiert sich Andreas Michel für die Weiterentwicklung einer reflektierten, wertebasierten und wirksamen Führungskultur im akademischen Umfeld.

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