Wenn unser Laptop nur noch ein schwarzer Bildschirm zeigt oder das gesamte System abstürzt, dann rufen wir die IT an. Bei einem Krankheitsfall gehen wir zum Arzt und wenn das Badezimmer defekt ist, rufen wir dem Sanitärinstallateur an. Wir leben also in einer Welt, wo wir Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Diese Logik hat sich in unserer Lebensweise fest verankert (vgl. DBVB, 2026). Begleitungen werden oft erst dann in Anspruch genommen, wenn Überforderung, Konflikte oder Erschöpfung bereits klar sichtbar sind. Doch Begleitung durch eine/n betriebliche/n Mentor/in kann und soll präventiv eingesetzt werden.
Ausgangslage
Organisationen bewegen sich in der heutigen Welt zunehmend in dynamischen, unsicheren und beschleunigten Kontexten. Die moderne Welt ist auch unter dem VUCA-Umfeld bekannt. Dieses beschriebt die vier Kernmerkmale der heutigen Welt: volatility, uncertainty, complexity und ambiguity (Bendel, 2021). Berufsrollen verändern sich, die Verantwortlichkeit verschiebt sich und Mitarbeitende sowie Führungskräfte sind gefordert, mit diesen Anforderungen umzugehen. Anforderungen, wie zum Beispiel Innovation und Effizienz, sind nicht temporär, sondern sie sind strukturell. Damit einher verschob sich auch die Kompetenzfrage. Nicht nur Fachwissen ist gefragt, sondern auch Soft Skills, Future Skills und die Selbstführung (Schmidt, 2025).
Perspektivenwechsel: Von Intervention zu Prävention
Betriebliches Mentoring kann als Interventionsinstrument sowie als Entwicklungsinstrument verstanden werden. Es wird dann eingesetzt, wenn Belastungen sichtbar werden, Konflikte eskalieren oder die Leistungsfähigkeit langsam nachlässt. Ebenfalls ist es wichtig, dass Begleitungen bereits präventiv eingesetzt werden. Da die Komplexität keinen Ausnahmezustand mehr ist reicht es nicht aus, erst auf die sichtbaren Symptome zu reagieren. Wenn die Begleitung soll nicht nur den reparativen Aspekt beinhalten, sondern soll auch entwicklungsorientiert sein. Die Perspektive soll von der Frage «Wie komme ich aus der Krise heraus?» zur Frage «Wie erkenne ich frühzeitig meine Grenzen und Ressourcen?» gelenkt werden.
Warum Begleitung entscheidend ist
Ein/e betriebliche/r Mentor/in schafft einen professionellen Reflexionsraum. In diesem Raum werden Personen unterstützt, ihre eigenen Denk- und Handlungsmuster zu erkennen und Entscheidungsprozesse bewusster zu gestalten. Es geht also nicht darum, Ratschläge zu erteilen oder Lösungen vorzugeben. Gerade in einem VUCA-Umfeld, in dem Unsicherheit und Mehrdeutigkeit zur Normalität geworden sind, braucht es diese strukturierten Reflexionsräume. Diese ermöglichen es Mitarbeitenden und Führungskräfte, Klarheit zu entwickeln, bevor Überforderung entsteht – aber auch wenn die Überforderung bereits eingetroffen ist. Betriebliches Mentoring ist damit nicht nur ein Reparaturinstrument in Krisen, sondern auch ein Entwicklungsinstrument für nachhaltige Wirksamkeit. Begleitung ist kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil: Sie ist Ausdruck professioneller Haltung und Entwicklungsbereitschaft.
Quellenangaben
Bendel, O. (2021, 13. Juli). VUCA. Gabler Wirtschaftslexikon. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/vuca-119684/version-384510
DBVB Deutscher Bundesverband für Burnout-Prävention e. V. (2026, 24. Februar). Resilienz statt Reparatur – ein notweniger Systemwechsel. https://dbvb.org/resilienz-statt-reparatur-ein-notwendiger-systemwechsel/
Schmidt, J. (2025, 15. Dezember). Future Skills entwickeln – und den Wandel aktiv mitgestalten. Haufe akademie. https://www.haufe-akademie.de/blog/themen/persoenliche-kompetenz/future-skills/